Top-Story: Übernahmen Deutschland: Die Jagd auf deutsche Firmen geht weiter
Von: Christian Scheid
06.10.26 / BASF greift nach Evonik, Uber nach Delivery Hero, Unicredit nach der Commerzbank. Das Übernahmekarussell in Deutschland dreht sich immer schneller. Ein Zertifikat von UniCredit bündelt 20 Kandidaten.
Es wäre die größte Chemie-Übernahme in Deutschland seit Jahren: BASF will Evonik kaufen. Der Ludwigshafener Konzern hat dem Spezialchemiehersteller aus Essen und dessen Großaktionär RAG-Stiftung 22,15 Euro je Aktie geboten. Das entspricht 10,3 Mrd. Euro, einschließlich Schulden rund 14 Mrd. Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vor Bekanntwerden des Interesses lag die Prämie bei gut 22 Prozent. Evonik winkte ab. Der Preis sei zu niedrig, Verhandlungen und eine Prüfung der Bücher lehnte der Vorstand ab. Vom Tisch ist das Thema damit nicht. BASF betont, ein Zusammenschluss würde das eigene Kerngeschäft stärken und ergänzen. Den Wert möglicher Synergien könne man aber nur gemeinsam mit Evonik ermitteln. Die Aktie sprang klar nach oben. Der Markt rechnet offenbar mit einer zweiten Runde.
BASF ist kein Einzelfall. Laut den „League Tables“ des Londoner Finanzdatenanbieters LSEG wurden deutsche Unternehmen in den ersten neun Monaten 2026 für 123,1 Mrd. Dollar verkauft. Das ist schon jetzt mehr als im gesamten Vorjahr. 107 Mrd. Dollar davon zahlten Käufer aus dem Ausland, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Die Boston Consulting Group (BCG) kommt zu einem ähnlichen Befund. In den ersten sieben Monaten stieg der Wert der Transaktionen in Deutschland um 122 Prozent, die Zahl der Deals um vier Prozent. Weltweit sank die Zahl dagegen um 16 Prozent. Rund zwei Drittel des deutschen Volumens gingen auf das Konto von Finanzinvestoren.
Die Liste laufender Verfahren ist lang. Uber bietet 41,50 Euro je Aktie für den Essenslieferdienst Delivery Hero, die Annahmefrist läuft bis Anfang November. JD.com wartet bei der MediaMarkt-Mutter Ceconomy auf grünes Licht aus Brüssel. Worthington Steel hält nach seinem Angebot rund 62 Prozent am Stahlhändler Klöckner & Co. und hat ein Delisting-Angebot nachgeschoben. Großaktionär Frasers bietet 38 Euro je Hugo-Boss-Aktie, der Vorstand des Modekonzerns rät von einer Annahme ab. Für den Spirituosenhersteller Berentzen legt der US-Konzern Sazerac 5,55 Euro je Aktie auf den Tisch, ein Aufschlag von 68 Prozent auf den Dreimonatsschnitt. Wie so etwas enden kann, zeigt About You: Nach der Übernahme durch Zalando wurden die Minderheitsaktionäre mit 6,50 Euro je Aktie abgefunden, die Aktie verschwand vom Kurszettel.
Noch mehr Fantasie steckt in den Spekulationen. Unicredit kontrolliert inklusive Optionen 47,6 Prozent der Commerzbank und will Anfang 2027 das Sagen haben. Beim Diagnostikkonzern Qiagen prüfen die Finanzinvestoren EQT und KKR laut Berichten die Bücher. Die Gründer des Chipherstellers Elmos haben Morgan Stanley mit einem möglichen Verkauf beauftragt. Bei Puma hält Anta Sports bereits 29 Prozent, Analysten trauen den Chinesen ein Angebot für den Rest zu. Auch der Außenwerber Ströer und der Arzneimittelhersteller Dermapharm gelten als Kandidaten. Weitere Namen auf dem Radar sind Steico, 1&1, Singulus, PNE und Gerresheimer.
Wer nicht auf einzelne Ziele wetten will, findet im Solactive German M&A-Index eine Alternative. Ein Komitee wählt vierteljährlich 20 deutsche Unternehmen aus, die als Übernahmeziel infrage kommen. Investierbar ist der Index über ein Zertifikat (ISIN DE000HU5JPC0) von UniCredit. Seit Juli 2016 hat sich das Papier auf rund 56 Euro verdreifacht.
BASF ist kein Einzelfall. Laut den „League Tables“ des Londoner Finanzdatenanbieters LSEG wurden deutsche Unternehmen in den ersten neun Monaten 2026 für 123,1 Mrd. Dollar verkauft. Das ist schon jetzt mehr als im gesamten Vorjahr. 107 Mrd. Dollar davon zahlten Käufer aus dem Ausland, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Die Boston Consulting Group (BCG) kommt zu einem ähnlichen Befund. In den ersten sieben Monaten stieg der Wert der Transaktionen in Deutschland um 122 Prozent, die Zahl der Deals um vier Prozent. Weltweit sank die Zahl dagegen um 16 Prozent. Rund zwei Drittel des deutschen Volumens gingen auf das Konto von Finanzinvestoren.
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